“Storytelling” des Redkators Mathias Frei in der Thurgauerzeitung, über die langjährigen Teilnamen von Gabriel Müller. Der Frauenfelder Stadtlauf findet heuer zum 40. Mal statt. Gabriel Müller war an den bisher 39 Läufen stets dabei – einmal auch mit Gips.

Der erste Frauenfelder Stadtlauf war auch sein erster – und der Beginn einer durchaus erfolgreichen Laufsportkarriere. 1980 war es. «Und ich hatte unverhofft eine gute Zeit gelaufen», erinnert sich Gabriel Müller. Der Frauenfelder Architekt ist nach seinem ersten Stadtlauf 38 weitere gelaufen. Am 31. August steht sein 40. Heimlauf auf dem Programm. Müller jubiliert mit dem Stadtlauf, der heuer zum 40. Mal stattfindet. Wahrlich eine treue Läuferseele.

«Heute ist der Stadtlauf eine liebgewonnene Tradition für mich», meint der 50-Jährige. Müller treibt noch fast täglich Sport: Schwimmen, Velofahren, Yoga und eben Jogging. Ein- bis zweimal pro Woche schlüpft er in seine Laufschuhe. «Heute bin ich Genussläufer.» Das heisst: Er will auch etwas sehen beim Joggen. So kommt es, dass er kaum einmal zweimal hinternander dieselbe Strecke läuft. «Sport brauche ich als Ausgleich zum Büro, als Ventil, um den Kopf zu lüften.» Wenn er zwischen zwei Aussenterminen eine Stunde Zeit habe, nehme er die Laufschuhe aus dem Auto, um noch eine halbe Stunde rennen und entdecken zu gehen.

Einst einer der besten Schweizer Mittelstreckler

Gabriel Müller war zehn Jahre alt und ging in die Jugendriege des Katholischen Turnvereins (KTV) Frauenfeld. «Die Stimmung vor dem ersten Stadtlauf war euphorisch. Bei uns hatte sich die ganze Jugendriege angemeldet.» Ans Wetter beim ersten Stadtlauf im Jahr 1980 kann sich Müller nicht mehr erinnern, aber dass er für die knapp drei Kilometer eine unerwartet gute Zeit lief, daran schon. Für seinen Trainer Hampi Rhode, der heute in Müllers Architekturbüro arbeitet, war das ein Zeichen: Der kleine Gabriel ist ein Mittelstreckentalent. Ab in die Leichtathletik-Riege des KTV. Und so kam es dann auch. Müller konzentrierte sich auf 800 und 1500 Meter. Er wurde immer schneller, startete pro Wochenende an ein bis zwei Wettkämpfen. Immer im Saisonplan: der Frauenfelder Stadtlauf. Mittelstreckler Müller lief immer vorne mit, wurde einmal Zweiter, die 7200 Meter waren halt einfach nicht seine Distanz. Mit Anfang 20 gehörte er zu den besten Schweizer Mittelstreckenläufer, nahm an den nationalen Meisterschaften teil – bis er einen schlimmen Velounfall hatte.

Bei seinem elften Stadtlauf hatte Müller einen Gips bis zum Oberschenkel hinauf. Aber er absolvierte den Lauf: mit seinen Freunden der Pfadi St.Nikolaus, im Leiterwagen sitzend in der Plauschkategorie. In Sachen Leistungssport hatte er nach dem Unfall abgeschlossen.

Ziel: 7200 Meter in rund 30 Minuten laufen

Laufen ist für Müller heute vor allem Plausch. «Natürlich kommt dann während des Rennens auch wieder der alte Ehrgeiz, das Gewinnenwollen.» Podestplätze hat er aber keine mehr im Auge. Wie in den Vorjahren will er auch heuer die 7200 Meter in der Elitekategorie in rund 30 Minuten laufen. Mit dieser Zeit sei einigermassen bei den Leuten. Das Publikum an der Strecke ist ihm nicht weniger wichtig. «Ich freue mich sehr, wenn ich die Stimmung spüre und Freunde sehe, die für mich applaudieren.»

Müller wird heuer mit der alten Original-Stoffstartnummer 40 starten – in Anlehnung an sein persönliches Jubiläum und an das des Stadtlaufs. Er war selber zehn Jahre lang im Stadtlauf-OK. Deshalb hat er auch heute eine grosse Wertschätzung für die Arbeit des organisierenden Laufsportvereins Frauenfeld. «Von Freitagabend bis Sonntagmittag war man voll drin.» Müller war für die Festwirtschaft verantwortlich. Die Teilnahme am Stadtlauf fand dann jeweils unter erschwerten Bedingungen statt. «Fünf Minuten vor meinem Start habe ich jeweils ausgeklinkt in der Festwirtschaft.» In seine OK-Zeit fällt der Stadtlauf 2007. Müller hat das Sujet für das Stadtlauf- T-Shirt gezeichnet: das Regierungsgebäude, mit Tusche.

Seine Medaillen sind heute im Archiv des Stadtlaufs. Die Zieleinlauf-Bilder, die es seit etwa 20 Jahren gibt, sind ihm genug Erinnerung an seine Läufe bei 15 oder 35 Grad, bei Platzregen oder Sommerhitze.

Quelle: Thurgauer Zeitung, 20.08.2019, Mathias Frei